LGPL-Lizenz und QtCreator -- was stimmt nun?

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Detlef
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LGPL-Lizenz und QtCreator -- was stimmt nun?

Beitrag von Detlef » 27. Februar 2018 12:07

Hallo,

je mehr man sich in die Lizenzierung von QT einliest, um so verwirrender wird es.
Mein Ziel war eigentlich unter LGPL-Lizenz zu entwickeln. Folgende Herangehensweise im Hinblick auf LGPL:

- Produkt ist ein fertiges CPU-Board mit Linux drauf --- ApplicationDevelopment sollte also möglich sein.
- diverse Komponenten, wie QtCharts, QtDataVisualization, usw., die nur in GPL (nicht in LGPL) verwendet werden dürfen, werden nicht benötigt.
- dynamisches Linken, Hinweis zu QT, Bereitstellung Bibliotheken, Updatefähigkeit, etc. ist möglich und gewährleistet.

Insofern würde doch nichts gegen LGPL sprechen?

Jetzt schreibt QT auf der Homepage aber: Die QtCreator-IDE darf nur für GPL (und natürlich kommerziell) verwendet werden!?

Womit soll man jetzt programmieren, wenn man die IDE nicht verwenden darf, aber unter LGPL veröffentlichen will?

Die Kosten für die kommerzielle Lizenz sind für mich viel zu hoch. Bei ApplicationDevelopment (Desktop/Mobile) für 460$/Monat/Entwickler. Gibt es Erfahrungen wie viel EmbeddedDevices kostet? Hatte gehört, dass man da noch extra für JEDE EINZELNE verkaufte Baugruppe etwas an QT zahlen muss.

Wo liegen egtl. die Grenzen bzgl. Desktop/Mobile zu EmbeddedDevices? Wie gesagt, verwenden wir ein CPU-Modul, ähnlich wie Raspberry, welches dann in ein Endgerät kommt.

Danke schonmal für Eure Antworten :)

hilefoks
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Re: LGPL-Lizenz und QtCreator -- was stimmt nun?

Beitrag von hilefoks » 27. Februar 2018 15:40

Detlef hat geschrieben:
27. Februar 2018 12:07
Insofern würde doch nichts gegen LGPL sprechen?
Wenn ich als Endkunde root-Zugang habe... ;-)

Fragt man nach der LGPL, wird oft gesagt, die LGPL verbietet statisches Linken. Das stimmt auch, greift aber zu kurz. Die LGPL will dem Endbenutzer gewissermaßen die Möglichkeit geben, das er LGPL lizenzierte Komponenten der Software austauschen kann. Daher verbietet sich statisches Linken. Ebenfalls sehr fraglich sind aber auch viele Appstores wie der von Apple - den auch hier hat der Endbenutzer keine Möglichkeit - egal ob statisch oder dynamisch gelinkt.

Und für die meisten eingebetteten Systeme stellt die LGPL auch ein Problem da, und zwar immer dann, wenn der Endanwender keinen "Root-Zugang" zum System erhält.

Detlef hat geschrieben:
27. Februar 2018 12:07
Jetzt schreibt QT auf der Homepage aber: Die QtCreator-IDE darf nur für GPL (und natürlich kommerziell) verwendet werden!?
Das lässt sich so nicht aus der GPL/LGPL ableiten. Poste bitte mal einen Link.

Detlef hat geschrieben:
27. Februar 2018 12:07
Wo liegen egtl. die Grenzen bzgl. Desktop/Mobile zu EmbeddedDevices?
Es gibt keine - bzw. hängt von deinem Betrachtungswinkel ab. Ich persönlich definiere alle Geräte auf die ich laut Herstellervorgabe keinen uneingeschränkten Zugriff (root-Zugang) bekomme als eingebetetes System.

MfG
Hilefoks

Volker75
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Re: LGPL-Lizenz und QtCreator -- was stimmt nun?

Beitrag von Volker75 » 27. Februar 2018 19:58

Detlef hat geschrieben:
27. Februar 2018 12:07
Womit soll man jetzt programmieren, wenn man die IDE nicht verwenden darf, aber unter LGPL veröffentlichen will?
1.
Ich Programmiere z.B. schon mehrere Jahre mit Qt und habe den Creator (bis auch einmal zum Testen) nie benutzt. Ich "male" meine Oberfläche nicht. Ich programmiere Sie noch immer selbst. Mein einziger Editor ist Kate unter Linux (und Notepad++ unter Windows). Das wars.

2. Vorweg: Ich bin keine Rechtsauskunft.
Aber: Ich glaube du hast den Zusammenhang nicht verstanden. Es geht um den Quelltext des Creators. Sprich, wenn du den Qulltext des Creator änderst, dann musst du dich an die GPL halten (oder eine kommerzielle Version benutzten).
Ist wohl so wie beim gcc compiler. Nur weil der gcc compiler der gpl unterliegt, musst du ja nicht dein eingenes Projekt auch unter die gpl setzen. Du darfst mit dem gcc auch kommerzielle Produkte schrieben. Nur wenn du Änderungen am Quelltext der Kompilers vornimmst, dann musst du dich an die gpl halten und deine Änderungen ebenfalls unter die gpl stellen.

Detlef
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Re: LGPL-Lizenz und QtCreator -- was stimmt nun?

Beitrag von Detlef » 28. Februar 2018 10:52

Hier der Link dazu: https://www.qt.io/download
Im openSource-Block zu Tools navigieren und aufklappen; da steht in dem Fragezeichen etwas drin.
Und QT schrieb mir damals per Mail:
Nicht unter LGPLv3 sondern ausschließlich unter GPLv3 fallen:
• Virtual Keyboard,
• QtCharts,
• QtDataVisualization,
• QTA Solution,
• WebGL Streaming,
• Wifi Manager,
• Device Utilities
• Communication protocols: MQTT, KNX etc. (Add-Ons)
• Tools: QtCreator, QtLinguist, qmake, GPU Profiler, QtDesigner.


Aber man kann tatsächlich streiten, ob damit der Creator selbst gemeint ist wie Volker75 schreibt.

Root-Zugang wäre grundsätzlich da. Es gibt u.a. einen USB-Anschluss, über den ja auch die Updates des Herstellers (also von mir) eingespielt werden.

Die Trennung Desktop und Embedded fällt mir auch schwer. Als Beispiel führt Qt unter https://www1.qt.io/buy-product/ bei Desktop Linux und bei Embedded EmbeddedLinux auf. Für mich ist ein EmbeddedLinux auch nur ein "normales" Linux. Und jeder Desktop-PC ist im Grunde auch ein Embedded-Device, bestehend aus Recheneinheit, Display und Schnittstellen.

hilefoks
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Re: LGPL-Lizenz und QtCreator -- was stimmt nun?

Beitrag von hilefoks » 28. Februar 2018 13:18

Detlef hat geschrieben:
28. Februar 2018 10:52
Aber man kann tatsächlich streiten, ob damit der Creator selbst gemeint ist wie Volker75 schreibt.
Nö, darüber muss man nicht streiten. Wenn du ein von GPL Software abgeleitetes Werk erzeugst, dann muss dieses auch unter die GPL gestellt werden. Wenn du GPL Software aber benutzt um Daten zu verarbeiten musst du diese Daten nicht unter die GPL stellen. Du darfst ja auch jede andere GPL lizenzierte Software verwenden ohne das deine Daten unter die GPL Fallen. Sonst wäre ja jedes Erzeugnis das unter Linux erzeugst automatisch unter der GPL, schließlich ist der Kernel auch GPL.

Siehe auch http://www.ifross.org/wann-muss-eigenen ... ert-werden

Detlef
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Re: LGPL-Lizenz und QtCreator -- was stimmt nun?

Beitrag von Detlef » 9. März 2018 13:28

Dann erstmal vielen Dank für die Infos :)

Der Code vom Creator soll natürlich nicht geändert werden. Sollte also keine Probleme machen.

Die App startet automatisch beim Linux-Start. Dem End-Anwender würden wir eine Möglichkeit zum Root-Zugang (Zugriff auf das dahinterliegende Linux) per Tastenkombination bei angesteckter Tastatur einrichten. QT-Bibliotheken und Linux-BSP, etc. kann dem End-Anwender auf Nachfrage in "Original-Form" bereitgestellt werden; App wird nur Binär bereitgestellt. Der Anwender kann also alle OpenSource-Inhalte (QT, Linux) ändern/lesen/selbst verwenden/usw.
Lizenzhinweis, usw. wird auch gemacht. Insofern sollte LGPL kein Problem sein.

Ist es eigentlich verwerflich zu schreiben, dass bei diversen Umarbeiten durch Root-Zugriff der Garantieanspruch erlischt?

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